& Gott…?

Weshalb Gott im Titel steht, aber im Text nicht so häufig vorkommt…

Rezensentin „Nischi“ (bürgerlich: Nicole Schultz) hat in ihrer sehr schönen und ausführlichen Rezension meiner Trilogie angemerkt: „Die beiden anderen Themen (Gott und Rock’n’Roll, TH) hätten dagegen ruhig noch etwas mehr zum Zug kommen können. Das Thema Spiritualität bleibt inhaltlich teilweise etwas vage.“

Dem kann ich nur zustimmen. Und deswegen nehme ich die Rezension zum Anlass, hier kurz zu erzählen, wie es zu dem Titel kam und weshalb dann doch relativ wenig „Gott“ in dem Buch vorkommt.

Zum Titel: Es gibt einen Vorläufer zur Trilogie, einen Roman, den ich nicht veröffentlicht habe und auch nicht veröffentlichen werde, weil ich mich damit sozusagen erst „warmgeschrieben“ habe. Ich habe da manches ausprobiert und vor allem meinen Stil entwickelt – spätere Literaturwissenschaftler, die mein Oeuvre erforschen, werden vermutlich feststellen können, wie sich im Lauf der Kapitel mein Stil schärft, zuspitzt und – ich glaube – besser wird. Dieser Roman hatte den Arbeitstitel „Gott und die Frauen“, weil der männliche Protagonist einmal feststellt, dass es in seinem Leben eigentlich nur zwei wichtige Themen gibt: eben Gott und die Frauen. Der Roman enthält auch einige theologische Dialoge – ich wollte mal ausprobieren, ob das funktioniert. Aber die langen Dialoge nehmen dem Ganzen doch viel von dem Tempo, das ein Buch erst spannend macht. Und er enthält einige erotische Szenen, die sehr viel expliziter geschrieben sind als die in der Trilogie – im Rückblick würde ich fast sagen: etwas plump. Das brachte meinen alten Freund Hans, einen meiner „Beta-Leser“, zu dem Ausspruch: „Das Buch müsste nicht ‚Gott und die Frauen‘ heißen, sondern ‚Sex und Gott‘.“

Und von da war es nur ein winziger Schritt zu Sex & Gott & Rock’n’Roll.

Den Titel fand ich einfach so gut, dass ich ihn für den nächsten Roman aufgehoben habe, eben für die Trilogie. Und im ursprünglichen Exposé war auch das Thema „Gott“ auch viel präsenter. Die ursprüngliche Idee war, von zwei Menschen zu schreiben, die einander im Leben immer wieder begegnen und die gegensätzliche und doch irgendwie parallele spirituelle Entwicklungen durchlaufen. Ich hatte wirklich zwei spirituelle Biografien geplant. Dann aber hat die Liebesgeschichte überhandgenommen und viel mehr Platz beansprucht als vorgesehen. So geht es eben, wenn man mit lebendigen Figuren umgeht.

Johnny hatte in der ursprünglichen Version seine Gabi auf der Pfingstfreizeit einer charismatischen Gemeinde kennengelernt, sich klassisch bekehrt und in Gabis Freikirche mitgemacht. Doch dann wird Gabi immer fundamentalistischer und verrückter, schließlich wird Johnnys Freund Tobias, der in dieser Version ebenfalls der Gemeinde angehört, wegen seines Schwulseins aus der Gemeinde ausgeschlossen. Aufgrund dieser Entwicklungen sagt sich Johnny von der Gemeinde und damit auch vom evangelikalen/charismatischen Glauben los.

Dann aber, so der Plan, sollte sich sein Gottesbild erweitern und er würde zu einem a-personalen und a-theistischen Gott finden, also sozusagen ein gelb/türkises Gottesbild entwickeln. Und Jeannie wollte ich eine deutlich intensivere spirituelle Praxis geben, mit tiefen Meditationserfahrungen bis hin zur „Zen-Krankheit“ und wieder zurück… Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass das Buch dann mindestens fünf Bände umfassen würde. Und ich beschloss, es bei der Liebesgeschichte zu belassen, nur Jeannie durfte ihren Bhagwan-Trip behalten. Ich habe ungefähr hundert Seiten rausgeschmissen, die von Johnnys religiösen Erfahrungen handelten, und habe ihn einfach zum Agnostiker erklärt. Ein kleines Überbleibsel seiner ursprünglich geplanten religiösen Einstellung ist das Kennenlern-Gespräch zwischen Jeannie und Johnny beim Schützenfest, wo Johnny sich durchaus noch religiös interessiert zeigt.

Aber das Thema ist nicht verloren. Ich sitze seit geraumer Zeit schon am nächsten Projekt, in dem Jeannies Zwillingsschwester Theresa die Hauptrolle spielt. Sie bekommt eine intensive geistliche Berg- und Talfahrt verpasst. Der Plan sieht weiterhin vor, dass es auch eine männliche Hauptperson namens Chris gibt, die ebenfalls eine intensive religiöse Geschichte hat, hier kommt dann doch noch das charismatische Element zum Tragen – aber diese Geschichte wird dann ausführlich erst im übernächsten Roman erzählt, in der Chris dann im Mittelpunkt steht.

Der Theresa-Roman wird wohl „Phantomschmerz“ heißen und in, sagen wir mal, einem Jahr fertig sein. Vielleicht auch etwas eher. „Nischis“ Wunsch nach mehr Romanen aus meiner Feder bzw. Tastatur wird also wohl in Erfüllung gehen. Nur noch ein bisschen Geduld…

 

Author: tilmannhaberer

geboren 1955, Krisen- und Lebensberater, evangelischer Pfarrer, Gestaltseelsorger, systemischer Berater, zwischendurch mal sieben Jahre als freiberuflicher Schlussredakteur und Übersetzer (u.a. Richard Rohr, Suzanne Zuercher, Ken Wilber) unterwegs gewesen, Autor von Sachbüchern (u.a. "Gott 9.0") und Romanen.

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